Deportation nach Riga
Die am 6. Dezember 1941 nach Riga deportierten Hamburger und Lübecker Juden wurden zunächst im behelfsmäßigen Konzentrationslager Jungfernhof interniert. Dies war ein ehemaliger Gutshof, der mit einem Gutshaus, Scheunen, kleinen Baracken und Viehställen bebaut war. Die Gebäude waren größtenteils baufällig und nicht beheizbar. Dort wurden rund 4.000 Personen untergebracht.
Dazu gehörte auch Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach mit seiner Frau und seinen jüngsten Kindern. Carlebach organisierte unter schwierigsten Bedingungen Schulunterricht und religiösen Beistand. Etwa 800 bis 900 der Deportierten starben im ersten Winter an Hunger, Kälte und unbehandelten Krankheiten. Im März 1942 wurden etwa 1.700 Jüdinnen und Juden unter dem Vorwand ausgewählt, in das Lager Dünamünde zur Arbeit in einer Fischfabrik eingesetzt zu werden. Manche meldeten sich dafür freiwillig. Sie wurden jedoch im Wald von Bikernieki erschossen und in von anderen Juden vorbereiteten Massengräbern verscharrt. Die Überlebenden des Lagers Jungfernhof gelangten nach und nach ins Ghetto Riga, das bis November 1943 existierte.
Unter den 968 nach Riga deportierten Hamburger Juden wurden nachweislich 952 Opfer ermittelt.
(Video: Forschungsstelle für Zeitgeschichte/Werkstatt der Erinnerung)
Sigmund Manfred Leser, heute Fred Leser, wurde 1927 in Hamburg als Sohn jüdischer Eltern geboren. 1941 wurde Fred mit seinen Eltern und seinem drei Jahre älteren Bruder nach Riga deportiert. Er ist der einzige Überlebende seiner Familie.
