Der Bahnhof als Deportationsbahnhof

„Man schämte sich, zu dem deutschen Volke zu gehören, in selben Namen das ja alles angeblich geschieht.“ (Erwin Garvens, 1941)

In den Jahren 1940-1945 diente der Bahnhof als Deportationsbahnhof. In 20 Transporten wurden mindestens 7.692 Juden, Roma und Sinti aus Hamburg und Norddeutschland in die Ghettos und Vernichtungslager Ost- und Mitteleuropas verschleppt – für die allermeisten ein Weg in den Tod. Nicht nur nationalsozialistische Überzeugungstäter, sondern zahlreiche willfährige Mitarbeiter von Behörden, Institutionen und Privatunternehmen sorgten für den reibungslosen Ablauf der Deportationen. Die „Volksgemeinschaft“, die davon in vielerlei Hinsicht profitierte, sah überwiegend weg.
In seiner 137-jährigen Geschichte, auch als gewöhnlicher Personen- sowie als Auswanderer- und Güterbahnhof genutzt, symbolisiert der im Osten der neu entstehenden HafenCity gelegene Ort die historische Nähe von Normalität und Barbarei wie kaum ein anderer in Hamburg.

 

Das Lager in Bełżec, undatiert, US Holocaust Memorial Museum / USHMM

Deportation nach Bełżec

Um den 16. Mai 1940 nahm die Kriminalpolizei in Norddeutschland hunderte Roma und Sinti fest und internierte sie tagelang im Fruchtschuppen am Magdeburger Hafen. Am 20. Mai 1940 wurden 910 Personen (550 aus Hamburg, 200 aus Schleswig-Holstein und 160 aus Bremen) in der ersten Deportation vom Hannoverschen Bahnhof nach Bełżec verschleppt. »

 

Litzmannstadt-Getto / Jüdisches Museum Frankfurt, Fotograf: Walter Genewein

Deportationen nach Łódź

Im September 1939 überfiel die Wehrmacht Polen und besetzte auch die zweitgrößte polnische Stadt Łódź. Später erhielt sie den Namen Litzmannstadt und wurde Hamburgs Partnerstadt. Gleich nach dem Einmarsch begannen die deutschen Besatzer mit der Schikanierung und Entrechtung der Juden. Im Februar 1940 bestimmten sie einige Stadtviertel zum hermetisch abgeriegelten Ghetto und pferchten 164.000 Menschen bei katastrophalen hygienischen Verhältnissen darin ein. »

 

Juden im Ghetto Riga auf dem Weg zur Zwangsarbeit / Yad Vashem

Deportation nach Riga

Die am 6. Dezember 1941 nach Riga deportierten Hamburger und Lübecker Juden wurden zunächst im behelfsmäßigen Konzentrationslager Jungfernhof interniert. Dies war ein ehemaliger Gutshof, der mit einem Gutshaus, Scheunen, kleinen Baracken und Viehställen bebaut war. Die Gebäude waren größtenteils baufällig und nicht beheizbar. Dort wurden rund 4.000 Personen untergebracht. »

 

Zaun um das Ghetto von Minsk, undatiert / Yad Vashem

Deportationen nach Minsk

Vor der deutschen Besatzung lebte im weißrussischen Minsk eine der größten jüdischen Gemeinden der Sowjetunion. Mitte Juli 1941 befahlen die deutschen Besatzer den Juden, in das zwei Quadratkilometer große Ghetto im Nordosten der Stadt zu ziehen. Es war überwiegend mit ein- und zweistöckigen Holzhäusern bebaut.  Der erste Transport Hamburger Juden traf am 11. November 1941 in Minsk ein, der zweite Transport verließ Hamburg am 18. November. »

 

Jüdische Frauen und Kinder aus Ungarn bei der Ankunft in Auschwitz-Birkenau, Mai 1944   / US Holocaust Memorial Museum

Deportationen von Juden nach Auschwitz

Zwei Deportationstransporte führten von Hamburg direkt nach Auschwitz-Birkenau. Der Transport im Juli 1942 umfasste 300 Menschen, der zweite im Februar 1943 zählt 24. Das Ziel wurde den Betroffenen vorenthalten. Es hieß, es gehe in den Osten. »

 

Baracken im „Zigeunerlager“ in Auschwitz / Gedenkstätte und Museum Auschwitz-Birkenau

Deportationen von Roma und Sinti nach Auschwitz

Am 16. Dezember 1942 ordnete SS-Reichsführer Heinrich Himmler im 'Auschwitz-Erlass' an, alle auf dem Reichsgebiet verbliebenen 'Zigeuner' familienweise nach Auschwitz zu deportieren. Ab 1943 wurden Tausende von Roma und Sinti aus den besetzten Ländern Europas nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Dort wurden sie im Lagerabschnitt B II e inhaftiert, den die SS 'Zigeunerlager' nennt. Den Menschen wurde ein 'Z' sowie eine Nummer auf den Arm tätowiert. »

 

Fußmarsch von Bauschowitz nach Theresienstadt / Jüdisches Museum Prag

Deportationen nach Theresienstadt

Die NS-Führung bestimmte im November 1941 die ehemalige Garnisonsstadt Theresienstadt, die 60 km nördlich von Prag liegt, als Ghetto für die Juden aus Böhmen und Mähren. Ab Juli 1942 nutzte sie Theresienstadt auch als „Altersghetto“ für deutsche und österreichische Juden. Am 15. und 19. Juli 1942 schickte die Hamburger Gestapo die ersten von insgesamt elf Transporten nach Theresienstadt. Betroffen von den Deportationen waren allein im Juli 1.697 Menschen. Der letzte Transport verließ Hamburg im Februar 1945. »