Neuer Gedenkort für Hamburg eingeweiht

Am 10. Mai 2017 wurde der Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof vom Ersten Bürgermeister Olaf Scholz feierlich eingeweiht. Bis zum 16. Mai fand hier im Lohsepark in der HafenCity eine Reihe von Veranstaltungen statt, um der Öffentlichkeit den neuen Ort näher zu bringen.

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Neuer Gedenkort für Hamburg eingeweiht

Am Vormittag des 10. Mai fand der Festakt zur Einweihung des neuen Gedenkorts denk.mal Hannoverscher Bahnhof mit 600 Gästen im Beisein von Überlebenden, Zeitzeugen und Vertretern der Opferverbände im Veranstaltungszelt statt. Musikalisch umrahmt durch das Ensemble Resonanz, hielten Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, Mark Dainow (Zentralrat der Juden in Deutschland), Romani Rose (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und Miranda Voulasranta (European Roma and Traveller Forum) sowie die Zeitzeugin Dr. Lucille Eichengreen Festreden.

20 Tafeln mit den Namen der meisten Deportierten erstmals zu sehen

Vom ehemaligen Bahnhofsvorplatz gingen die Gäste anschließend gemeinsam durch die „Fuge“ zum Gedenkort am historischen Bahnsteig 2. Am Gedenkort wurden Kränze niedergelegt, und es wurden ein jüdisches und ein christliches Gebet gesprochen. Die Gäste hatten dann die Gelegenheit, weiße Rosen auf den 20 Namenstafeln niederzulegen, die zum ersten Mal zu sehen waren. Auf den Tafeln sind über 7700 Namen der Menschen aufgeführt, die – soweit dies historisch ermittelt werden konnte – in den  Deportationszügen in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, Belzec, Litzmannstadt/Lodz, Minsk, Riga und Theresienstadt mehrheitlich in den Tod geschickt wurden. Außerdem wird namentlich derjenigen Juden aus Hamburg gedacht, die nach dem Erhalt des Deportationsbefehls ihrem Leben ein Ende gesetzt haben. Es ist der Initiative der Opferverbände zu verdanken, dass die Namenstafeln als wesentliches Moment des Gedenkens 2015 in das Gestaltungskonzept des Ortes aufgenommen wurden.

Festredner

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Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: „Der Hannoversche Bahnhof ist für Hamburg ein Ort der Schande und der Trauer. Und ab heute auch ein würdiger Ort des Gedenkens.“

Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Bei all der Orientierung nach vorn, dürfen wir jedoch das Gedenken nicht vergessen. Daher: GE-DENK mal! Einfach Inne halten und darüber reflektieren, was hier geschah. Dies lässt uns das Heutige mehr würdigen und schätzen: Freiheit, Gleichheit, Demokratie.“

Romani Rose, Präsident des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma: „Historisches Erinnern bedeutet immer auch gelebte Verantwortung für die Gegenwart. Dafür steht auch dieser neue Gedenkort im Herzen der HafenCity in Hamburg. Gemeinsam müssen wir dafür einstehen, dass wir eine Gesellschaft mit menschlichem Gesicht bleiben.“

Auftakt zum Rahmenprogramm im KörberForum

Am Abend des 10. Mai diskutierte Martin Doerry mit der Zeitzeugin Dr. Lucille Eichengreen und dem Historiker Prof. Saul Friedländer zum Thema „Auftrag zum Erinnern“, die beide anlässlich der Einweihung des Gedenkortes nach Hamburg gereist waren. Eine Aufzeichnung des Gesprächs finden Sie online: https://www.koerber-stiftung.de/mediathek/auftrag-zum-erinnern-1363.html

Am 11. und 12. Mai erhielten dann insbesondere Jugendliche aus Hamburg die Möglichkeit, im Rahmen von Zeitzeugengesprächen etwas über die Lebenswege von Else Schmidt (Mädchenname), Frieda Larsen, Erika Estis und Fred Leser zu erfahren. Die gebürtigen Hamburger Bürger waren bereit, an den Ort ihrer ehemaligen Verfolgung zurückzukehren und von dem ihnen widerfahrenen Leid und Unrecht zu berichten.

Zeitzeugen

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Uraufführung der musikalisch-textlichen Reflexion „resonanza – Konzert am Rande des Erinnerns“ von Michael Batz

Dem Hamburger Theatermacher Michael Batz und seinem engagierten Team von Musikern und Schauspielern gelang gleich an zwei Abenden die künstlerische Auseinandersetzung mit Erinnerung und Gedenken:  Mit seiner musikalisch-textlichen Reflexion „resonanza – Konzert am Rande des Erinnerns“ und dem Oratorium „Der Hannoversche Bahnhof“ schlug Michael Batz Brücken zum Thema Erinnerung auch für die Generation der Hamburger, die sich an das Geschehene nicht selbst erinnern können.

Oratorium und Resonanza

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Das gesamte Programm zum Herunterladen und Nachlesen finden Sie unten. 

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