Der Entwicklungsprozess des neuen Gedenkortes

Lange Zeit vom Gedächtnis Hamburgs unbeachtet, begann 2004 ein Prozess intensiver öffentlicher Auseinandersetzung mit dem Ort, von dem aus zwischen 1940 und 1945 Juden, Roma und Sinti deportiert wurden.

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Lohseplatz. Hannoverscher Bahnhof, Geschichte, Stadtgeschichte

2004 legten Dr. Linde Apel und Dr. Frank Bajohr, Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, die erste Studie zum Thema „Die Deportationen von Juden sowie Sinti und Roma vom Hannoverschen Bahnhof in Hamburg 1940-1945" der Kulturbehörde vor. Die bedrückenden Erkenntnisse aus dieser Studie über ein bis dahin von der stadtgeschichtlichen Betrachtung weitgehend unbeleuchtetes Kapitel nahm die damalige Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von Welck zum Anlass, im  Februar 2005 den Lohseplatz – als ehemaligen Vorplatz des Hannoverschen Bahnhofs – mit Informationstafeln zu kennzeichnen. 

2007-2008 - Kolloqium und Werkstattgespräch

Um den Bahnhof als Ort des Gedenkens in der Stadt zu etablieren, initiierte sie gleichzeitig einen mehrstufigen politischen Prozess, der seither von den Opfer- und Betroffenenverbänden begleitet wird: Nach einem Kolloquium im Juni 2007 zum Thema „Der Erinnerungsort Lohseplatz in der HafenCity“ schrieben die Regierungsparteien die Entwicklung einer Gedenkstätte am ehemaligen Hannoverschen Bahnhof im Frühjahr 2008 im Koalitionsvertrag fest.

Kolloqium und Werkstattgespräch

Im Rahmen eines Werkstattgesprächs wurden die von einer Steuerungsgruppe erarbeiteten Empfehlungen für den Gedenkort und die Überarbeitung des Masterplans der HafenCity öffentlich vorgestellt und diskutiert. 

2009 Ausstellung "In den Tod geschickt"

2009 wurde die von der Kultursenatorin beauftragte und von Dr. Linde Apel konzipierte Ausstellung „In den Tod geschickt. Die Deportationen von Juden, Roma und Sinti aus Hamburg 1940 bis 1945“  im Kunsthaus Hamburg gezeigt.

2009-2010 - Freiraumwettbewerb Lohsepark

Für die Gestaltung des Lohseparks fand zwischen 2009 und 2010 ein internationaler Freiraumwettbewerb statt, den am Ende das Büro Landschaftsarchitekten Vogt, Zürich, gewann. 

Gedenkort

2016 - Eröffnung des Lohseparks

2016 folgte mit der Eröffnung des Lohseparks, in deren Rahmen auch die „Fuge“ eingeweiht wurde, ein weiterer wichtiger Schritt im Entstehungsprozess der Gedenkorts. Die „Fuge“ verbindet den zentralen Gedenkort am unter Denkmalschutz stehenden Relikt des Bahnsteigs 2 mit dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz (Lohseplatz). 

2017 - Einweihung des zentralen Gedenkortes

Im Mai 2017 wurde der zentrale Gedenkort mit 20 Gedenktafeln, auf denen die Namen der Opfer genannt werden, an den Gleisrelikten fertiggestellt und eingeweiht. Die Namensnennungen auf diesen Tafeln entsprechen dem Forschungsstand von 2016. Es ist sehr wohl möglich, dass noch weitere Juden, Sinti und Roma vom Hannoverschen Bahnhof deportiert wurden.

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