Deportationen nach Litzmannstadt/Lodz

Deportationen nach Litzmannstadt/Lodz

„Wohin man uns schicken wird, das weiß niemand“ (Otto Bauer, Oktober 1941)

Im September 1939 überfiel die Wehrmacht Polen und besetzte auch die zweitgrößte polnische Stadt Lodz. Später erhielt sie den Namen Litzmannstadt und wurde Hamburgs Partnerstadt. Gleich nach dem Einmarsch begannen die deutschen Besatzer mit der Schikanierung und Entrechtung der Juden. Im Februar 1940 bestimmten sie einige Stadtviertel zum hermetisch abgeriegelten Ghetto und pferchten 164.000 Menschen bei katastrophalen hygienischen Verhältnissen darin ein. Die deutsche Ghettoverwaltung und Polizeiaufsicht kontrollierte die von ihren Anweisungen abhängige 'Selbstverwaltung der Juden' unter Chaim Rumkowski.

Da die Ghettobewohner ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten mussten, herrschte bald extremer Hunger. Durch die Lebensumstände starb etwa ein Viertel der Bewohner. Bis 1944 entstanden zahlreiche Werkstätten, in denen für die Wehrmacht und für private Betriebe, darunter das Hamburger Alsterhaus, produziert wurde. Im Dezember 1941 begannen im 55 km entfernten Vernichtungslager Chelmno die Massentötungen in Gaswagen.

Am 25. Oktober 1941 verschleppte die Gestapo 1.035 Frauen, Männer und Kinder aus Hamburg nach Litzmannstadt. Unter den Deportierten wurden später 1.020 Opfer ermittelt.


vergrößern Ingrid Riemann Ingrid Riemann, um 1941 (Bild: Privatbesitz) »» Ansehen: Video: Auszüge aus dem Interview mit Ingrid Wecker, 2. Juni 2007, Länge: 7:33 Min.

(Video: Forschungsstelle für Zeitgeschichte/Werkstatt der Erinnerung)

Ingrid Riemann, später verheiratete Wecker, war die Tochter einer jüdischen Mutter und eines nicht jüdischen Vaters. Sie unterstützte die Jüdische Gemeinde bei der schweren Aufgabe, die Deportationen organisieren zu müssen, und half in den Sammelstellen und auf dem Bahnhof. Hier schildert sie ihre Erinnerungen an die Nacht vor der Abfahrt des ersten Zuges.