Deportation nach Minsk

Deportation nach Minsk

Vor der deutschen Besatzung lebte im weißrussischen Minsk eine der größten jüdischen Gemeinden der Sowjetunion. Mitte Juli 1941 befahlen die deutschen Besatzer den Juden, in das zwei Quadratkilometer große Ghetto im Nordosten der Stadt zu ziehen. Es war überwiegend mit ein- und zweistöckigen Holzhäusern bebaut.

Der erste Transport Hamburger Juden traf am 11. November 1941 in Minsk ein, der zweite Transport verließ Hamburg am 18. November. Unmittelbar vor der Ankunft deutscher Juden erschossen Einheiten der Sicherheitspolizei über 6.000 Juden, am 20. November, direkt vor der Ankunft des zweiten Hamburger Transports, weitere 5.000, um 'Platz zu schaffen' für die deutschen Juden.

Die Hamburger Juden wurden nicht direkt nach ihrer Ankunft ermordet. Die Lebensbedingungen für die vielen alten Menschen waren äußerst schwierig: Sie galten als nicht arbeitsfähig, und sie waren nicht nur physisch, sondern auch sprachlich fast vollständig von ihrer Umgebung isoliert.

Die Juden im Ghetto wurden zur Zwangsarbeit bei der SS und der Wehrmacht, in Werkstätten, bei der Reichsbahn und der Organisation Todt eingesetzt. Die extreme Witterung, unzureichende Ernährung und nicht vorhandene medizinische Versorgung führten zu vielen Toten. Die überlebenden Juden aus Hamburg wurden im Mai und im September 1943 erschossen oder in Lastwagen mit Abgasen erstickt. Nur einzelne, die das Ghetto zuvor als Zwangsarbeiter verlassen konnten, entgingen der Ermordung.


vergrößern Horst Philipp und seine Mutter, 1939 Horst Philipp und seine Mutter, 1939 (Bild: Privatbesitz) »» Ansehen: Video: Auszüge aus dem Interview mit Gary Philipp, 27. September 2007, Länge: 6:23 Min. 

(Video: Forschungsstelle für Zeitgeschichte/Werkstatt der Erinnerung)

Horst Louis Philipp, heute Gary Philipp, wurde am 8. November 1941 mit seinen Eltern ins Ghetto Minsk deportiert. Er war erst 14 Jahre alt. Im Interview erinnert er sich an die Zeit der Deportation.