Der politische Prozess seit 2004

Der politische Prozess seit 2004

2004 legten die Wissenschaftler Dr. Linde Apel und Dr. Frank Bajohr, beide Forschungsstelle für Zeitgeschichte, die erste umfassende Studie zum Thema „Die Deportationen von Juden sowie Sinti und Roma vom Hannoverschen Bahnhof in Hamburg 1940-1945“ der Kulturbehörde vor.

Die bedrückenden Erkenntnisse aus dieser Studie über ein bis dahin von der stadtgeschichtlichen Betrachtung weitgehend unbeleuchtetes Kapitel nahm Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von Welck zum Anlass, im  Februar 2005 den Lohseplatz – als ehemaligen Vorplatz des Hannoverschen Bahnhofs – mit Informationstafeln zu kennzeichnen. Gleichzeitig beauftragte sie die Forschungsstelle für Zeitgeschichte mit der Erarbeitung einer Ausstellung. Diese wurde vom 17. Februar bis zum 26. April 2009 im Kunsthaus Hamburg gezeigt und informierte eine breite Öffentlichkeit darüber, dass für mindestens 7.692 Hamburger vor mehr als 60 Jahren das Leben als unsere Mitbürger inmitten der künftigen östlichen HafenCity zu Ende ging und viele von ihnen in den Tod transportiert wurden.

Da eine Realisierung einer Gedenkstätte aus infrastrukturellen Gründen nicht vor 2017 möglich ist, haben die Kulturbehörde, die HafenCity Hamburg und der Bezirk Mitte im Jahr 2007 das Areal des Lohseplatzes neu gestaltet und mit Mitteln der Gartengestaltung, der Möblierung und Information interimistisch so hergerichtet, dass ein würdiges Erinnern an diesem Ort möglich ist.

Im Juni 2007 lud die Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von Welck zu einem Kolloquium ein, auf dem Repräsentanten der Opferverbände ihre Erwartungen an eine Gedenkstätte aussprachen; Experten für Gedenkstättenarchitektur zeigten Beispiele aus ganz Europa, wie mit Erinnerung landschaftsgestalterisch umgegangen werden kann.

Im Frühjahr 2008 schrieben die Regierungsparteien im Rahmen der Koalitionsverhandlungen die Entwicklung einer Gedenkstätte am ehemaligen Hannoverschen Bahnhof im Koalitionsvertrag fest.

Die Senatorin für Kultur, Sport und Medien berief im Januar 2008 eine Steuerungsgruppe ein. Diese erarbeitete, unter Berücksichtigung der inhaltlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen, Empfehlungen für eine solche Gedenkstätte. 

Eine von der Senatorin für Kultur, Sport und Medien im Januar 2008 einberufene Steuerungsgruppe unter Leitung des Direktors der KZ-Gedenkstätte Neuengamme Dr. Detlef Garbe, hat unter Berücksichtigung der inhaltlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen für eine Gedenkstätte am ehemaligen Hannoverschen Bahnhof eine Empfehlung erarbeitet.

Der Steuerungsgruppe gehörten an: Frau Prof. Dr. Stefanie Endlich (Universität der Künste Berlin), Frau Constanze Petrow (Bauhaus Universität Weimar), Herr Prof. Jörn Walter (Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg), Herr Prof. Jörn Walter, Herr Dieter Polkowski (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt), Herr Jürgen Bruns-Berentelg (Vors. der Geschäftsführung HafenCity Hamburg GmbH), Herr Uwe Labinsky (HafenCity Hamburg GmbH), Frau Dr. Annette Busse (Behörde für Kultur, Sport und Medien).

Diese Empfehlungen, die eine komplette Modifizierung des Masterplans HafenCity im Bereich Lohsepark und die Errichtung eines Dokumentations- und Ausstellungszentrums unmittelbar am Lohsepark vorsahen, wurden im Rahmen eines Werkstattgesprächs am 27. Oktober 2008 öffentlich vorgestellt und mit den Vertretern der Verbände und der Öffentlichkeit diskutiert.

Die Empfehlungen wurden, beginnend mit dem Jahr 2009, von den verantwortlichen Behörden umgesetzt. Der Masterplan wurde grundlegend überarbeitet.

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