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Verantwortliche, Organisatoren, Ausführende der Deportationen – die Täter

 

Für den reibungslosen Ablauf der Deportationen im nationalsozialistischen Hamburg sorgten Mitarbeiter unterschiedlicher staatlicher Behörden und Organisationen. Für die konkrete Umsetzung der Deportationen der Juden waren in enger Absprache die Geheime  Staatspolizei (Gestapo), die Ordnungspolizei, das Oberfinanzpräsidium und die Reichsbahn verantwortlich.

Hauptakteur der Deportationen von Roma und Sinti war die Kriminalpolizei, die eng mit der Sozialverwaltung, dem Reichskriminalpolizeiamt und der 'Rassenhygienischen Forschungsstelle', den Gesundheitsämtern, den Amtsgerichten und Hamburger Gerichtsvollziehern kooperierte. Es war nicht bekannt, dass sich Angehörige der hier erwähnten Institutionen Anordnungen zur Deportation widersetzt oder ihnen in einer anderen Form entgegen gewirkt hätten. Über die konkreten Personen liegen oft nur spärliche Informationen vor. Einige entzogen sich durch Selbstmord oder Flucht ihrer Verantwortung, andere erhielten – meist geringe – Haftstrafen, viele wurden freigesprochen oder blieben unbehelligt.

Die exemplarische Auswahl biografischer Skizzen von Tätern gibt einen Eindruck von ihrer Herkunft und ihren Motiven sowie von Art und Ausmaß der Beteiligung am Massenmord an Juden, Roma und Sinti.

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Kurt Ferdinand Hugo Krause, 1888-1954

 

Aus der Gefangenenkartei des Strafgefängnisses Fuhlsbüttel, 12. Juni 1946
Aus der Gefangenenkartei des Strafgefängnisses Fuhlsbüttel, 12. Juni 1946 (Bild: Staatsarchiv Hamburg)

Geboren am 29. März 1888 in Bosatz (Ratibor). Eintritt in den Polizeidienst bei der Polizeidirektion der Stadt Harburg im März 1913; Januar 1920 Kriminalwachtmeister, April 1926 Kriminalassistent, Mai 1927 Kriminalsekretär, Dezember 1939 Kriminalobersekretär, April 1944 Kriminalinspektor.

NSDAP-Mitglied seit dem 1. Mai 1937. Seit März 1938 im Erkennungsdienst der Hamburger Kriminalpolizei und ab Oktober 1938 in der 'Zigeunerdienststelle' tätig, deren Leitung er bald darauf übernahm (Spitzname: 'Zigeuner-Krause'). Ab 1. April 1940 stellvertretender Dienststellenleiter des Kriminalkommissariats BK 2. Krause führte vor der Deportation ins 'Generalgouvernement' vom 20. Mai 1940 eine Reihe von Verhaftungen durch und begleitete sowohl diesen Transport als auch den nach Auschwitz am 11. März 1943.

Festnahme Ende September 1945, einmonatige Internierung im Militärgefängnis Altona, bis Februar 1946 in Neumünster. Ab Mai 1946 trat Polizei Oberinspektor Krause wieder seinen Dienst beim Kriminalamt der Polizei Hamburg an, bis mehrere Roma und Sinti Anzeige erstatteten und der Leiter des Kriminalamtes ihn Mitte Juli 1946 seines Dienstes enthob. Einleitung eines Strafverfahrens gegen Krause im Rahmen des 'Hinselmann Prozesses'.

Im Dezember 1946 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt und auf Anordnung der Militärregierung zum Jahresende aus politischen Gründen aus dem Polizeidienst entlassen, kam Krause im März 1949 wieder auf freien Fuß. In seinem Entnazifizierungsverfahren wurde er vom Fachausschuss VIIIb im Frühjahr 1949 in die Kategorie V ('entlastet') eingestuft; er starb am 29. September 1954.

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Wilhelm Gustav Paul Everding, 1890-1965

 

Schreiben Everding, 10.9.1945
Schreiben Everding, 10.9.1945 (Bild: Staatsarchiv Hamburg)

Geboren am 25. Juni 1890 in Altona. Nach seiner 1905 begonnenen Lehre in einer Hamburger Getreidefirma bis 1939 als Expedient in verschiedenen Firmen tätig. 1930 bis 1936 erwerbslos; NSDAP Mitglied seit Mai 1933 (Zellenleiter 1938-1943), seit Juni 1933 Mitglied der SA (Scharführer seit 1936). Im Oktober 1939 trat er als Büroangestellter in den Dienst der Hamburger Kriminalpolizei, ab März 1940 war er Sachbearbeiter in der 'Zigeunerdienststelle' sowie im Außendienst, d. h. vor Ort in den Wohnungen bzw. auf den Lagerplätzen tätig. Everding war an einer Reihe von Verhaftungen von Roma und Sinti am 16. Mai 1940 und ebenso wie vor der Deportation nach Auschwitz am 11. März 1943 an deren Registrierung im Fruchtschuppen beteiligt. Er bereitete die Deportation von 26 Sinti nach Auschwitz am 18. April 1944 vor und begleitete den Transport.

Ebenso wie sein Vorgesetzter Kurt Krause stellte Everding Hamburger Roma und Sinti in der frühen Nachkriegszeit Bescheinigungen über ihre Verschleppung in Konzentrationslager aus. Am 31. Dezember 1945 wurde Everding vom Chef der Hamburger Polizei Bruno Georges aus dem Dienst entlassen. In einer Mitteilung des Personalamtes der Polizei Hamburg an das Wohnungsamt, Abt. Eppendorf-Winterhude, vom 18. November 1946 hieß es: „E. wurde auf Anordnung der Britischen Militärregierung festgenommen unter den Beschuldigungen, Übergriffe begangen, Auswahl zur Verschickung von Zigeunern in KZ-Haft getroffen und unter Versprechungen Schmucksachen von Zigeunern erpreßt zu haben.“

Im 'Hinselmann-Prozess' zu drei Jahren Haft verurteilt, im März 1949 nach Begnadigung vorzeitig entlassen. Sein Entnazifizierungsverfahren endete im Februar 1950 mit der Einstufung in Kategorie IV ('Mitläufer'), die zum 1. Juli 1950 in Kategorie V ('entlastet') umgewandelt wurde. Everding starb am 14. Juni 1965.

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Claus Göttsche

 

Claus Göttsche Claus Göttsche

(Staatsarchiv Hamburg)

Von 1941 bis 1943 organisierte Claus Göttsche, der Leiter des 'Judenreferats' der Hamburger Gestapo, die Deportation der jüdischen Einwohner Hamburgs. Er entschied über die Auswahl der Opfer, beschlagnahmte ihr Eigentum und unterzeichnete die Deportationsbefehle. Aufgrund seiner Machtfülle, die ihn zum Herrn über Leben und Tod erhob, und der brutalen Härte seines Vorgehens avancierte der Name 'Herr Göttsche' in der Jüdischen Gemeinde zum Synonym für Erbarmungslosigkeit und lebensgefährliche Willkür.

»» Download: Claus Göttsche, Hamburgs Organisator der „Endlösung“ (PDF)

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Karl Kaufmann

 

Karl Kaufmann Karl Kaufmann

(Staatsarchiv Hamburg)

NSDAP-Gauleiter Karl Kaufmann war der maßgebliche Initiator der Deportationen Hamburger Juden. Durch die Übernahme der fünf wichtigsten politischen Ämter und eines auf Korruption basierenden „Systems Kaufmann“ stieg er zur stärksten politischen Instanz in Hamburg auf. Bis kurz vor Kriegsende war er ein treuer Gefolgsmann Adolf Hitlers und beteiligte sich aktiv an dessen Vernichtungs- und Expansionspolitik.

»» Download: Karl Kaufmann, Hamburgs „Führer“ (PDF)