Hinweise und Erinnerungsstücke zu Deportationen gesucht


Hinweise und Erinnerungsstücke zu Deportationen gesucht

Über 8.000 Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma wurden von Hamburg aus in die Konzentrationslager und Gettos deportiert. 

Wer erinnert sich an die Ereignisse?

Wo ist der Besitz der Deportierten heute?

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme sucht 74 Jahre nach der letzten Deportation nach persönlichen Zeugnissen, Erinnerungsstücken, Fotos und Dokumenten und wendet sich mit diesem Aufruf an die Öffentlichkeit.
Vor den Augen ihrer Nachbarinnen und Nachbarn wurden Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma aus Hamburg und Norddeutschland von 1940 bis 1945 über den damaligen Hannoverschen Bahnhof in Konzentrationslager und Gettos im östlichen Europa deportiert, die meisten von ihnen wurden dort ermordet.

Seit 2017 erinnern am historischen Ort im Lohsepark Namenstafeln an die Deportierten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ämtern, Behörden, Polizei und Reichsbahn waren an den Deportationen beteiligt. Viele Menschen, darunter einige aus dem engsten Umkreis, wirkten aktiv mit oder profitierten u.a. durch die Versteigerung von Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Kleidung der Deportierten sowie durch den Bezug leergeräumter Wohnungen. Auch Freundinnen und Freunde, Schulkameradinnen und Schulkameraden erfuhren von der Ausgrenzung und Verfolgung.

Gesucht werden Informationen darüber, was Hamburgerinnen und Hamburger über Ausgrenzung, Verfolgung und die Deportation von Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma wussten: Wer war Zeuge oder Zeugin der Ereignisse? Wer hat mitgewirkt? Wer hat den Opfern geholfen? Was geschah mit dem Besitz der Deportierten? Wo befindet sich dieser heute? Jeder Hinweis ist hilfreich!

Dr. Oliver von Wrochem, Leiter des Ausstellungsprojekts „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“: „Die deportierten Juden, Sinti und Roma durften nur 50 kg Handgepäck pro Person mitnehmen. Ein Großteil ihres Hab und Guts ging also in den Besitz ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger über, jedoch fehlt davon fast jede Spur. Auch verfügen wir nur über sehr wenige Selbstzeugnisse von Täterinnen und Tätern, Mitwisserinnen und Mitwissern oder Aussagen von Menschen, die das Geschehen beobachtet oder den Verfolgten geholfen haben. Gibt es Erinnerungsstücke in ihrer Familie, wie Dokumente, Fotos oder Möbel mit Bezug zur Ausgrenzungs- und Deportationsgeschichte? Bitte kontaktieren sie uns! Sie sind für die Dokumentation der Ereignisse und unsere Ausstellungsarbeit von besonders großem Wert.“

Für die neue Dauerausstellung im geplanten Dokumentationszentrum „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ am Lohsepark in der HafenCity untersucht ein Team von Kuratorinnen und Kuratoren der KZGedenkstätte Neuengamme die Geschichte des Deportationsgeschehens und seiner Folgen in Gesellschaft und Familien. Geplanter Eröffnungstermin ist 2022. Mehr Informationen unter: https://hannoverscher-bahnhof.hamburg.de/ort-des-lernens/ (Webseite)
https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/nachrichten/news/hinweise-und-erinnerungsstueckegesucht/ (Aufruf)

Ansprechpartner für Hinweise aus der Öffentlichkeit:

KZ-Gedenkstätte Neuengamme,
Projekt „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“
Stefan Wilbricht
Telefon: 040 / 428 131 – 562, E-Mail: stefan.wilbricht@bkm.hamburg.de